Ich gehe hinüber, über den Hof.

Ich wage nicht, an der Straße nach einem Einlass zu suchen, jemand könnte mich sehen.

Zum Hotel gibt es vier Zugänge, einer ist ganz hinten, kaum einzusehen, ganz oben an einer schmalen Treppe. Die Hausmeisterswohnung,

sie ist an das große Gebäude angeklebt wie ein Schwalbennest.

Ich habe Werkzeug mitgebracht, war vor ein paar Tagen im Baumarkt, es sind zwei dünne Stahlstifte, im Fernsehen wird das so gemacht.

Ich versuche es einfach.

Ich schiebe einen der Stifte hinein und den anderen hinterher, den mit dem Haken am Ende, taste und fühle ein wenig. Ich spüre auf einmal, wie ein Widerstand nachgibt.

Das Geräusch des Schlosses lässt mich zusammenzucken.

Es ist ganz laut, aber die Nacht ist trotzdem so still, ich höre die Züge gar nicht mehr.

Aber die Tür lässt sich immer noch nicht öffnen. Ich suche in meiner Brieftasche. Meine Scheckkarte muss herhalten. Ich schiebe sie zwischen Rahmen und Schloss. 

Jetzt. 

Die schmale Tür springt auf. 



Schwaches Licht fällt aus den Räumen

in den Flur.

Ich lausche, fürchte, Geräusche zu hören,

die mir Angst machen, noch mehr Angst.

Aber es ist still, ganz laut ist es still, 

die Stille brummt durch meine Schläfen.

In jedem Zimmer könnte jemand sein,

den ich nicht sehe, nicht höre, weil er sich

nicht bewegt, stillsteht, wie die Zeit stillsteht

in leeren großen Gebäuden.

 

Aber ich weiß ja, dass ich alleine bin im Haus.

Auszug aus meinem Romanprojekt "Der Schmerz der Freiheit"